Wissenschaftspreis 2017 der Walter und Gertrud Siegenthaler Stiftung

Frau Dr. Templin-Ghadri aus der Klinik für Kardiologie des Universitären Herzzentrums am UniversitätsSpital Zürich (USZ) erhält den Wissenschaftspreis in Anerkennung ihrer klinischen und wissenschaftlichen Tätigkeiten für ihre Errungenschaften und Arbeiten auf dem Gebiet des «Takotsubo Syndroms» bzw. dem «Syndrom der gebrochenen Frauenherzen».

Das Takotsubo Syndrom ist ein akutes Krankheitsbild, das vornehmlich postmenopausale Frauen nach emotionalen oder physischen Stresssituationen wie dem Tod einer geliebten Person oder einem akuten Asthmaanfall betrifft und erstmals 1990 beschrieben wurde. Die Erkrankung ähnelt in der klinischen Präsentation einem akuten Herzinfarkt. Patienten klagen über Brustschmerzen und Luftnot, auch mittels EKG- und Laborwerten ist eine Differenzierung zum akuten Koronarsyndrom nicht sicher möglich. Erst in einer Herzkatheteruntersuchung zeigt sich eine für das Takotsubo Syndrom charakteristische Bewegungsstörung. Die linke Herzkammer sieht dabei am Ende ihrer Anspannungsphase wie eine fühere japanische Tintenfischfalle aus, ein bauchiges Gefäss, genannt Takotsubo. Mit einer Prävalenz von ca. 2-4% an Patienten mit Brustschmerzen in einer Notaufnahme ist die Erkrankung wahrscheinlich noch deutlich unterdiagnostiziert. Daten zur klinischen Charakterisierung, Prognose und Pathophysiologie basierten bis zur kurzem ausschliesslich auf Fallberichten und Studien mit kleinen Patientenzahlen bzw. Tiermodellen.

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Frau Templin-Ghadri ist Mitbegründerin des Internationalen Takotsubo Registers InterTAK Registry am UniversitätsSpital in Zürich, dem inzwischen weltweit grössten Netzwerk von Kliniken zur Erforschung dieser noch nicht hinlänglich verstandenen Herzerkrankung.  In diesem Register konnten bisher über 2000 Patienten aus 35 kardiovaskulären Zentren aus 15 Ländern eingeschlossen werden. Zudem wurde eine Biobank zur Erforschung einer genetischen Prädisposition und der Etablierung neuer Biomarker des Takotsubo Syndroms aufgebaut.

Frau Templin-Ghadri hat an der Medizinischen Hochschule Hannover Humanmedizin studiert und arbeitet als «Clinician-Scientist» in der Klinik für Kardiologie am Universitären Herzzentrum in Zürich. Zur Unterstützung ihrer akademischen Laufbahn erhielt sie von der Universität Zürich die Nachwuchsförderung «Research time» und «Filling the Gap». Sie hat bisher rund 100 hochrangige Artikel in den besten Fachzeitschriften der Welt publiziert. So hat Frau Templin-Ghadri als Erstautorin kürzlich im New England Journal of Medicine, als Erstautorin im JAMA Cardiology und im European Heart Journal Resultate über das Takotsubo Syndrom veröffentlicht. Gegenwärtig koordiniert sie ein Team von über 30 renommierten Wissenschaftlern aus den USA, Europa und Asien um ein internationales Consensus Dokument über das Takotsubo Syndrom zu verfassen. Zudem ist sie bereits mehrfach mit renommierten Preisen etwa dem Georg-Friedrich Götz Preis der Medizinischen Fakultät der Universität Zürich, dem Preis der Schweizerischen Herzstiftung, sowie dem Preis der Stiftung Coeur de la Tour ausgezeichnet worden.