Das Internationale Takotsubo Register (InterTAK Register)

Das Takotsubo Syndrom auch bekannt als das Gebrochene-Herz-Syndrom ist ein bis heute häufig verkanntes Krankheitsbild, dass erstmals 1990 in Japan beschrieben wurde. Die Nomenklatur erfolgte durch die Erstbeschreiber, da bei der häufigsten Variante, dem apikalen Typ der linke Ventrikel morphologisch während der Systole an einen traditionellen zum Tintenfischfang benutzten Tonkrug, dem „Takotsubo" erinnert (enger Hals und bauchiger Boden; Abbildung 1).

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Abbildung einer traditionellen Tintenfischfalle (jap. Takotsubo, Abb. links). Im Lävokardiogramm ähnelt das Herz während der Systole (Abb. rechts) einem Takotsubo mit kurzem, engen Hals (graue Pfeile) und bauchigem Boden (blaue Pfeile).

Pathognomonisch für das Takotsubo Syndrom ist eine akut einsetzende oft schwerwiegende kardiale Pumpfunktionsstörung mit einer Normalisierung innerhalb von wenigen Wochen bis Monaten und eine weibliche Prädominanz von etwa 90%. Symptomatisch imponiert das Takotsubo Syndrom wie ein akuter Myokardinfarkt (Angina Pectoris, Dyspnoe, EKG-Veränderung sowie Anstieg kardialer Biomarker) und wird bei etwa 4% der Patienten, die mit der klinischen Symptomatik eines akuten Koronarsyndroms hospitalisiert werden, diagnostiziert. Meistens gehen dem Takotsubo Syndrom ausserordentliche emotionale (z.B. Verlust einer geliebten Person, Trauer, Mobbing am Arbeitsplatz, etc.) oder physische (z.B. Operation, Schlaganfall, Sturz, etc.) Belastungssituationen voraus. Inzwischen wurde aber auch beschrieben, dass positive Emotionen oder freudige Erlebnisse (z.B. Jackpotgewinn, Geburt, Hochzeit) zu einer Sonderform des Takotsubo Syndroms dem sog. Happy Heart Syndrom führen können.

Der Goldstandard der Diagnostik eines Takotsubo Syndroms ist auch nach fast drei Jahrzehnten seit der initialen Beschreibung die Koronarangiographie mit Lävokardiogramm, bei welcher im Gegensatz zum akuten Koronarsyndrom meistens keine signifikanten Verengungen der Koronargefässe vorliegen. Ein weiteres diagnostisches Hilfsmittel ist der InterTAK Diagnose Score, der es ermöglicht, die Wahrscheinlichkeit für das Vorliegen eines Takotsubo Syndroms vorauszusagen. Dieser Score beinhaltet sieben Parameter (weibliches Geschlecht, emotionaler Trigger, physischer Trigger, Fehlen einer ST-Streckensenkung, psychiatrische Diagnose, neurologische Diagnose, QTc-Zeit Verlängerung), die leicht und schnell in der Notaufnahme erhoben werden können.

Die Behandlung von Patienten mit einem Takotsubo Syndrom erfolgt meistens supportiv und symptomorientiert, da bis heute noch keine evidenzbasierten Therapieformen vorliegen. Während der Akutphase handelt es sich beim Takotsubo Syndrom und eine lebensbedrohliche Erkrankung mit einer ähnlichen Mortalitätsrate wie beim akuten Koronarsyndrom, weshalb eine kontinuierliche Überwachung dieser Patienten obligat ist. Obgleich sich die Pumpfunktionsstörung bei Patienten mit Takotsubo Syndrom binnen einiger Wochen erholt und man dementsprechend von einem benignen Verlauf ausgehen könnte, haben Studien gezeigt, dass die Langzeitprognose des Takotsubo Syndroms ungünstig sein kann. Trotz intensiver Forschung konnte bis heute noch kein eindeutiger pathophysiologischer Mechanismus identifiziert werden. Verschiedene Einflussfaktoren wie beispielsweise eine Überaktivierung des sympathischen Nervensystems oder mikrovaskuläre Spasmen der Koronargefässe werden diskutiert.

Anfang 2011 wurde am Universitären Herzzentrum des UniversitätsSpitals Zürich unter der Leitung von Prof. Dr. med. Dr. rer. nat. Christian Templin, Leiter der Akuten Kardiologie und Stv. Leiter der interventionellen Kardiologie, Principal Investigator, das Internationale Takotsubo Register (InterTAK Register) etabliert. Ziele dieses Registers sind es u.a. neue Erkenntnisse zur Charakterisierung des klinischen Erscheinungsbildes, der demographischen und epidemiologischen Hintergründe zu gewinnen, Behandlungsstrategien zu entwickeln sowie die Diagnose und Prognose von Patienten mit Takotsubo Syndrom zu verbessern. Des Weiteren ist eine Biobank mit dem InterTAK Register verknüpft, die als Grundlage für die Identifizierung von Biomarkern sowie für die Analyse des genetischen Hintergrunds und der genetischen Prädisposition genutzt werden kann. In dieser weltweit grössten Studie über das Takotsubo Syndrom kollaborieren aktuell mehr als dreissig renommierte kardiovaskuläre Zentren aus 15 Ländern. Ein besonderes Anliegen ist es noch weitere Zentren und Partner für dieses einzigartige Projekt zu gewinnen. Weitere Informationen bietet auch die Website www.takotsubo-registry.com.


Publikationen
Clinical Features and Outcomes of Takotsubo (Stress) Cardiomyopathy.
Templin C, Ghadri JR, Diekmann J, Napp LC, Bataiosu DR, Jaguszewski M, Cammann VL, Sarcon A, Geyer V, Neumann CA, Seifert B, Hellermann J, Schwyzer M, Eisenhardt K, Jenewein J, Franke J, Katus HA, Burgdorf C, Schunkert H, Moeller C, Thiele H, Bauersachs J, Tschöpe C, Schultheiss HP, Laney CA, Rajan L, Michels G, Pfister R, Ukena C, Böhm M, Erbel R, Cuneo A, Kuck KH, Jacobshagen C, Hasenfuss G, Karakas M, Koenig W, Rottbauer W, Said SM, Braun-Dullaeus RC, Cuculi F, Banning A, Fischer TA, Vasankari T, Airaksinen KE, Fijalkowski M, Rynkiewicz A, Pawlak M, Opolski G, Dworakowski R, MacCarthy P, Kaiser C, Osswald S, Galiuto L, Crea F, Dichtl W, Franz WM, Empen K, Felix SB, Delmas C, Lairez O, Erne P, Bax JJ, Ford I, Ruschitzka F, Prasad A, Lüscher TF.
N Engl J Med. 2015 Sep 3

Happy heart syndrome: role of positive emotional stress in takotsubo syndrome.
Ghadri JR, Sarcon A, Diekmann J, Bataiosu DR, Cammann VL, Jurisic S, Napp LC, Jaguszewski M, Scherff F, Brugger P, Jäncke L, Seifert B, Bax JJ, Ruschitzka F, Lüscher TF, Templin C; InterTAK Co-investigators:.
Eur Heart J. 2016 Oct 1

Is takotsubo syndrome a microvascular acute coronary syndrome? Towards of a new definition.
Lüscher TF, Templin C.
Eur Heart J. 2016 Oct

Takotsubo Syndrome: Underdiagnosed, Underestimated, but Understood?
Templin C, Napp LC, Ghadri JR.
J Am Coll Cardiol. 2016 Apr 26

Differences in the Clinical Profile and Outcomes of Typical and Atypical Takotsubo Syndrome: Data From the International Takotsubo Registry.
Ghadri JR, Cammann VL, Napp LC, Jurisic S, Diekmann J, Bataiosu DR, Seifert B, Jaguszewski M, Sarcon A, Neumann CA, Geyer V, Prasad A, Bax JJ, Ruschitzka F, Lüscher TF, Templin C; International Takotsubo (InterTAK) Registry.
JAMA Cardiol. 2016 Jun 1

The International Takotsubo Registry: Rationale, Design, Objectives, and First Results.
Ghadri JR, Cammann VL, Templin C.
Heart Fail Clin. 2016 Oct

A novel clinical score (InterTAK Diagnostic Score) to differentiate takotsubo syndrome from acute coronary syndrome: results from the International Takotsubo Registry.
Ghadri JR, Cammann VL, Jurisic S, Seifert B, Napp LC, Diekmann J, Bataiosu DR, D'Ascenzo F, Ding KJ, Sarcon A, Kazemian E, Birri T, Ruschitzka F, Lüscher TF, Templin C; InterTAK co-investigators.
Eur J Heart Fail. 2017 Aug

Takotsubo syndrome: aetiology, presentation and treatment.
Kato K, Lyon AR, Ghadri JR, Templin C.
Heart. 2017 Sep

Catecholamine-Dependent β-Adrenergic Signaling in a Pluripotent Stem Cell Model of Takotsubo Cardiomyopathy.
Borchert T, Hübscher D, Guessoum CI, Lam TD, Ghadri JR, Schellinger IN, Tiburcy M, Liaw NY, Li Y, Haas J, Sossalla S, Huber MA, Cyganek L, Jacobshagen C, Dressel R, Raaz U, Nikolaev VO, Guan K, Thiele H, Meder B, Wollnik B, Zimmermann WH, Lüscher TF, Hasenfuss G, Templin C, Streckfuss-Bömeke K.
J Am Coll Cardiol. 2017 Aug 22

Takotsubo Syndrome Associated With Structural Brain Alterations of the Limbic System.
Hiestand T, Hänggi J, Klein C, Topka MS, Jaguszewski M, Ghadri JR, Lüscher TF, Jäncke L, Templin C.
J Am Coll Cardiol. 2018 Feb 2